Russische Landschaft

Bitteschön Dankeschön Berlin
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Institut für neue soziale Plastik
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jüdische Kunstschule

Simon Ostaschenko bespiegelt mit der Rauminstallation »Russische Landschaft V« eindringlich Russlands Vergangenheit und Gegenwart und durchdenkt mögliche Zukunftsszenarien. Zugleich nimmt er die Rolle der Medien und die Funktionsweise von Propaganda in den Blick und untersucht die Fragilität kollektiver Identität. Ein Wohnzimmer ist der Ort der kritischen Reflexion des Künstlers. An der Wand hängt das Bild eines Perserteppichs, aufgehängt, wie es in Osteuropa üblich ist. Seine Muster jedoch rinnen zu Boden – wie Blut. Auf dem Bildschirm läuft eine surreale Videocollage, sie ist das Herzstück der Installation. Mit ihr löst der Künstler die Grenze zwischen Unterhaltung, Nachricht und Propaganda auf. Für den Film С Новым годом, всем пиздец (Happy New Year, you’re all fucked, 2025) montierte Ostaschenko Found Footage von Videoplattformen zu einer Collage, die Entwicklungen in Russland nachzeichnet – von dem Zerfall der Sowjetunion bis zum Krieg gegen die Ukraine. Szenen aus sowjetischen Zeichentrickfilmen, Putins erste Neujahrsansprache, folkloristische Tänze, aktuelle Nachrichten und Bilder des Krieges verbinden sich mit der Musik des 2008 verstorbenen Punkmusikers Jegor Letow. Das Zapping durch die Programme steigert sich, erzeugt ein Erleben, wie man es aus Fieberträumen kennt: Kirchenglocken mischen sich mit Kriegsgeräuschen, Stimmen werden in absurdem Rollenwechsel vertauscht. Nichts erscheint verlässlich. Was bleibt, ist ein Unbehagen, das auch körperlich spürbar ist. In der Installation verhandelt Simon Ostaschenko seine russische Herkunft und thematisiert zugleich Gefühle wie Ohnmacht und Scham angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Aus der Perspektive der Diaspora setzt sich der Künstler kritisch mit kultureller Identität und politischer Realität auseinander. Doch blickt Ostaschenko nicht nur auf die Gegenwart: Immer wieder lässt er Jegor Letow auftauchen, der auf die Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hinweist: der kurze Rausch der Freiheit, der darauffolgende Identitätsverlust, der erstarkende Nationalismus und schließlich Putins Weg in die Diktatur. Könnte das Ende von Putins Herrschaft tatsächlich eine neue Freiheit eröffnen? Oder wird die Geschichte des Landes und seiner Menschen in einer anderen, unvorhersehbaren Form fortgeschrieben?

Julia Herfurth, Institut für neue soziale Plastik